Worum es ging
In Container 1 zeigte Von Silberland Pigment-Prints, die aus Fotogrammen und über 150 digital geschichteten Zeichnungen entstanden sind. In Container 2 waren Skulpturen von Kristiane Kegelmann aus Stahl, Stein, Seide und organischen Stoffen zu sehen und Fotografien von Saskia Fischer im Halbformat. Ein Mitschnitt der Eröffnung liegt im Archiv als Transkript vor.
Beteiligte
Container 1: Von Silberland (ato) · Container 2: Kristiane Kegelmann und Saskia Fischer (ato)
Von Silberland
Künstler (ato)
Karlsruher Künstler, arbeitet mit Fotogrammen und digital geschichteten Kompositionen.
Künstlerin
Künstlerin aus Berlin. Sie interessiert sich für Materialstrukturen und arbeitet mit Stahl, Stein, Seide und organischen Stoffen.
Saskia Fischer
Fotografin
Fotografin, im Programmheft mit Stuttgart geführt. Sie arbeitet mit Bildpaaren im fotografischen Halbformat zu Wegen, Landschaft und Identität.

Medien
audio · 51:44
Eröffnung neuer Container-Arbeiten
Norina Quinte eröffnet die letzte Ausstellungsrunde mit Von Silberland, Kristiane Kegelmann und Saskia Fischer. Danach berichtet die AG Lichtbild von der Entstehung ihrer Arbeit.
Transkript
Redigierte Fassung für die WERKstattPALAST-Publikation.
Norina: Ich möchte ganz herzlich Julian von Silberland begrüßen, der heute da ist, denn heute ist ein besonderer Tag, weil wir die allerletzte Ausstellung haben. Die Ausstellung hat sich ja immer wieder gewandelt, was auch Teil dieser Struktur sein sollte, weil wir im Vorhinein schon gemerkt haben, wenn wir anfangen über Struktur zu reden, dann bringt natürlich jeder eine andere Position mit. Und es war ganz klar, wenn wir die alle aufeinander loslassen und alles gleichzeitig zeigen, dann verlassen wir zu schnell die Struktur. In dem Sinne erwarten uns heute im hinteren Bereich nach dem Vortrag drei neue Positionen.
Und die eine ist eben Julian von Silberland, der, nachdem er in Argentinien auch schon studiert hatte, vor ein paar Jahren nach Karlsruhe kam und dann da an der Akademie studiert hat. Obwohl die Kunstakademie Karlsruhe nicht gerade bekannt ist für ihre Fotografieausbildung war das Medium von Julian von Beginn an Fotografie. So, wie ich es wahrnehme, Julian, hast du dir da dein eigenes Nest gebaut innerhalb der Akademie und angefangen, eine Dunkelkammer zu etablieren. Du hast dann aber durchgezogen und auch deinen Meister Abschluss dort gemacht. Bei Markus Vater, glaube ich. Was mir in den letzten Jahren aufgefallen ist, dass, als wir uns kennenlernten war es analoge Fotografie, die sich zum Teil an verschiedenen Narrativen oder Geschichten abgearbeitet hat. Also es waren Serien, die zum Beispiel die Matrix behandelt haben, verschiedene eigene Experimente mit deinem Körper alla Bruce Nauman. Fotografisch hast du dich daran abgearbeitet und in dem Moment, wo wir dann aber nach einer Corona Ausstellung, die wir zusammen gemacht haben, wo sich alles um das Thema Kartoffel drehte, hast du das eigentlich auch verlassen, das Terrain und neue Experimente begonnen, weil du das Gefühl hattest, du brauchst jetzt mal neue Aufgaben oder neue Werkzeuge.
Letztes Jahr im November hatten wir eine Ausstellung in einem ehemaligen Umspannwerk in Berlin auch zusammen erarbeitet. Und da hast du analoge Zeichnungen überführt, in eine digitale Ästhetik. Das war ganz spannend, weil da annähernd 400 verschiedene Zeichnungen entstanden sind, die auf den ersten Blick erst mal wie Rands aussahen und im zweiten Blick aber, trotz digital Ästhetik, sehr handgemacht aussahen.
Wir dachten ganz am Anfang wir zeigen diese Arbeiten hier im WSP, weil das 400 verschiedene Strukturen eigentlich schon sind. Wir waren dann aber viel zu neugierig, doch wieder was Neues zu erschaffen und jetzt ist eine Serie entstanden, die sehr viel mit abstrakter Struktur zu tun hat und letzten Endes aber darauf beruht, dass du eigentlich nicht mehr weiterwusstest, dass es eine Art Blockade war, eine Schaffens Blockade und du nicht die Struktur gefunden hast, in der du arbeiten, willst. Also hast du angefangen, dich in Copyshops rumzutreiben und Filmschnipsel gescannt und fotografiert, wieder kopiert. Am Ende hattest du ganz viel Material, und diese Fragmente, also eigentlich Collagenartige, haben dir dann wiederum geholfen zu der Ausstellung zu finden.
Also die ist wirklich, wie ich finde, als Abschluss-Container-Ausstellung sehr gelungen, weil sie auf die ja ästhetischen Strukturen, aber auch auf die Arbeitsstrukturen verweist.
Im zweiten Container haben wir zwei Positionen. Einmal ist es Kristiane Kegelmann, die wir auch letztes Jahr mit dir in Berlin zusammengeführt haben.
Kristiane Kegel ist eine spannende Künstlerin, weil sie keine strebsame Künstlerin-Vita eine Uni nach der anderen abgearbeitet, sondern Kristiane ist ursprünglich aus der Partiserie und hat in Wien bei einem renommierten Konditor angefangen zu arbeiten. Irgendwann sie hat sie sich dann den Schlüssel heimlich organisiert, um in dieser wahnsinnig teuren Torten Manufaktur aus den ganzen Resten heimlich zu bauen und darüber kam sie eigentlich in die Bildhauerei und hat angefangen, sich an der Ästhetik von Objekten abzuarbeiten und sich selber dann das Schmieden beigebracht, Skulpturen geschaffen. Wir haben insgesamt drei dieser Skulpturen mitgebracht und ihr werdet sehen, sie spielen auch zum Teil mit vergänglichen Materialien, weil sie eben auch stark an dieser Kulinarik interessiert. Sie hat ein Pralinen Label „pars“, wo jede Praline auch aussieht wie ein Kunstwerk. Gleichzeitig überführt sie aber auch die Ästhetik, die sie in ihrem Pralinenladen zurück in die Skulpturen und arbeitet zum Teil mit Farb-Materialien, die vergänglich sind. Rote Beete Säfte einfärbt in Lacke, Stoffe fotografisch bedruckt, gleichzeitig sind da aber auch Lebensmittelfarben drin, die das Ganze wieder verblassen lassen. Also ihr seht nachher eine Wolken Gase – eine Fotografie, die ihr Vater mit einer analogen Kamera gemacht hat, also eine Wolken Fotografie, und die bettet sie dann ein und setzt die im Kontrast zu einem ganz stabilen, stählernen Material. Sie hat immer dieses Material Spiel inne.
Diese Position von Kristiane haben wir jetzt wieder parallel zu dir gesetzt, Julian.
Gleichzeitig zeigen wir nicht nur Kristiane Kegelmann im hinteren Container, sondern auch Saskia Fischer, die bei ato gerade neu dazukommt. Wir haben sie kennengelernt, weil Hanna und ich für die Kunststiftung einen Workshop gegeben haben: „Was kostet eine Idee?“ Dort durften wir Künstlerinnen beraten, wie sie u.a. ihre Preisgestaltung angehen können. Sie hatte sich danach noch mal gemeldet und mit einem unglaublich strebsamen Portfolio beworben, wo uns natürlich klar war, nicht nur das Portfolio, sondern die Arbeiten sind tatsächlich sehr gut. Sie hat Fotografie studiert an der Volkswagen Uni und hat dann aber noch am Goldsmith und in Tallinn studiert. Sie hat erst sehr fotografisch gearbeitet, aber gleichzeitig dann auch im Laufe der Zeit installativer geworden ist und sich so erprobt in Raum-Installationen, die sie auch oft mit Fotografien wieder verbindet. Jetzt gerade ist in Barcelona, weil sie da eine Residency hat und konnte deshalb heute nicht anreisen.
Wir haben noch eine weitere Arbeit, die heute neu dazukam. Und zwar hängt sie über Kopf. Sie ist von Patrick Alan Banfield, der auch Teil unserer ato Crew ist, und auch er hat an sehr vielen verschiedenen Orten studiert. Er hat Raum, Installationen, Performance und künstlerische Praxis studiert oder sich immer erprobt an dem Schaffen von Raumsituation. Eine Arbeit, die ich mal von ihm gesehen habe, hat eigentlich eins zu eins einen Raum nachgebaut, als wäre es ein detektivisches Versteck, wo man selber als Besucher überhaupt nicht sicher war, ob das einfach ein gruseliger Ort ist oder eine künstlerische Arbeit also, der sich sehr akribisch damit auseinandersetzt, welches Raumgefühl er schaffen will. Er ist aber mittlerweile nicht nur in der Kunst tätig, sondern hat auch eine Agentur, die in Berlin und Karlsruhe ist, die Werbung macht. Diesen Spagat, so wie er es beschreibt, dem bedient er sich auch oft, weil er sich selbst nicht sicher ist, ob er als Agentur Aufträge annimmt, die Kunst sind oder ob er als Künstler seinen Minijob in der Agentur macht. Diesen Spagat, den sehen wir auch in der Arbeit. Die hat er zusammen mit einem Künstler entwickelt, extra auch zum Thema Struktur. Nachher mit Sound wird sie sich selbst erklären. Deswegen werde ich da jetzt nicht weiter ausführen und freue mich sehr, dass heute die dritte Plakatiererrunde eingeläutet wird der AG Lichtbild.
Da ich auch schon so oft gefragt worden bin wer ist denn dieses AG Lichtbild? Und was machen die eigentlich? Oder wie kam es denn dazu, dass das oben Struktur verbildlicht?
Nesa: Als AG Lichtbild waren wir kleiner Stammtisch von Fotografen oder möchte gern Fotografen, wie es bei mir ist, zum Beispiel. Und dann auf einmal kam diese Anfrage und hat einfach alles torpediert, unser gemütliches „Wir schauen uns gegenseitig die Fotos an und sagen ein bisschen was“. Und dann ging es auf einmal los, wir hatten einen Auftrag. Wir waren da, glaube ich, zehn oder zwölf Leute, und dann wurde es zu sieben Leuten und dann ging es los. Das ist Lisa, wir sind zwei Leute von der AG Lichtbild, die es heute schaffen hier zu sein und das ist schon mal beispielhaft für die AG Lichtbild. Unsere Gruppendynamik ist herausfordernd.
Lisa: Wir freuen uns, dass ihr hier seid, und wir freuen uns, dass wir ein paar Worte sagen können zu unserer Arbeit und uns ein bisschen vorstellen Es ist leider so, oder es ist leider auch gut, dass einige jetzt im Urlaub sind, Diplom machen, ihre Kinder betreuen, also in verschiedenen Dingen eingebunden sind und deshalb nicht hier sein können. Wir versuchen aber, das trotzdem ein bisschen vorzustellen, euch einen Einblick zu geben in unsere Arbeit und ihr könnt sehr gerne Fragen stellen und euch einfach einmischen und mitdiskutieren.
Wie Nasa schon gesagt hat, war der Impuls in einem eigenen Raum über Bilder zu sprechen. Wir sind alle auf sehr unterschiedlichen Stand, zum Teil noch im Studium oder am Beenden des Studiums, zum Teil auch gar nicht mit einem fotografischen, also professionellen – von der Ausbildung her – Hintergrund und zum Teil mit einem professionellen Hintergrund, also mit sehr unterschiedlichen Zugängen zur Fotografie.
Was uns aber alle verbindet und was, glaube ich auch vielen Künstlerinnen tatsächlich nach dem Studium so geht ist, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man danach eine Gruppe hat oder einen Freundeskreis aus Gleichgesinnten, die einem helfen, auch bei der Auswahl seiner Arbeiten oder beim Herausfinden, worum es einem geht. Das ist aber gleichzeitig sehr wichtig, um sich eine Motivation für das eigene Schaffen zu behalten.
In meinem Fall war es so, dass ich viel gelernt habe an der HfG, an der ich studiert habe und gleichzeitig aber auch immer sehr andere Dinge da gewünscht und gefragt waren als das, was ursprünglich mein Interesse war. Für mich war das ein Lernprozess, sich freizumachen von den Idealen, den Beeinflussungen, der Fremdbestimmung und der Auffassung was Fotografie sein soll, freizumachen. Ich glaube, das teilen alle in unserer AG. So der Versuch oder die Frage, was man heutzutage mit Fotos anstellen kann, in dem künstlerischen Zusammenhang, weil es leicht geworden ist zu fotografieren, auch relativ leicht Bilder zu zeigen, und damit die Frage nach einer Rechtfertigung oder Begründung immer schwieriger wird.
Nesa: Das waren die ersten Gespräche, die wir hatten. Wir hatten zu viele verschiedene Charaktere, die da waren. Zum Beispiel Manu: er schreibt sein Diplom, er fotografiert die Stadt und unglaublich viel. Er hat uns Dateien mit Tausenden von Fotos gezeigt, aufgenommen mit dem Handy oder mit komischen Kameras.
Dann ist da Sebastian, der eine klassische Fotografen-Ausbildung hat und das angewandt macht für den der Zirkel wie ein Ventil war, um auch was Künstlerisches zu machen.
Jehad, der seit zwei oder drei Jahren fotografiert und nur über Technik, über Blenden, Licht, usw.
Ich habe eine Einwegkamera mit der ich ständig fotografiere.
Da ist Alex Theis und der ist jetzt an der Akademie Assistent in der Fotowerkstatt.
Mascha, an der HfG studiert und fotografiert.
Lisa fotografiert schon seit Jahren fotografiert und künstlerische Sachen macht.
Lisa: Mittlerweile unterrichte ich und jetzt muss ich mir alle technischen Grundlagen und deren Vermittlung erst wieder beibringen.
Nesa: Da waren immer Nerdgespräche. Das ist in der Gruppe immer die Frage, wie kommt man dann miteinander? Dann kam dieser Auftrag über zehn Wochen Bilder hier auszustellen, sich ein Konzept zu überlegen.
Beim Konzept lache ich schon, weil das verrückt war, miteinander ein Konzept von verschiedenen Fotografen zu machen. Dann haben wir Dateien angelegt und jeder hat seine Bilder gebracht. Wir zeigen jetzt eine Diashow, das sind über 100/200/300 Bilder, die wir eingereicht haben für die Ausstellung. Dann ging es darum wer soll das jetzt aussuchen, einen Plan machen, wie soll das repräsentiert werden? Es ging wirklich um die Art wie wir arbeiteten in der Gruppe. Für mich war das einfach in dieser Gruppe zu sein, weil das Wichtigste für mich war nicht das Einreichen von Bildern, sondern dieses „Zusammen etwas machen“, ein Projekt auf die Beine stellen, etwas gemeinsam erschaffen.
Lisa: Es war tatsächlich so, dass ihr euch ursprünglich zu viert getroffen habt. Das ging von zwei Personen besonders aus, die aber gar nicht im Vordergrund stehen wollen. Das ist schon auch der Wunsch, sich hinter diesem Namen ein bisschen zu sammeln und AG Lichtbild als Titel zu haben. Das heißt, wenn Leute nicht genau wissen, wer dabei ist, dann ist das auch gewollt und so gewünscht.
Ihr ihr wart schon lange am Besprechen. Ich kam dazu, hab meine Bilder gezeigt und dann war es gleich „Jetzt machen wir eine Ausstellung daraus“. Ein großer Teil am Rreden war dann gleich schon in einem Produktionszusammenhang. Das, was wir uns gewünscht haben und immer noch wünschen, das steht noch aus und kommt dann nach dem WERKstattPALAST: Zeit nehmen, Arbeiten besprechen, darüber reden, was darunter versteht oder was für Ansätze man hat. Bei Sebastian steht das eigentlich immer noch aus.
Nesa: Genau. Sebastian hat gar nicht seine Bilder gezeigt, weil viele Leute Sebastians Bilder kennen. Sebastian ist immer die hired gun, wenn man etwas abfotografiert haben will.
Ich komme aus dem Nordbecken, ich habe da mein Atelier, ich bin Maler und fotografiere, weil ich draußen nicht malen kann. Wenn ich unterwegs bin, dann habe ich diese Kamera dabei und Sebastian hat immer den Performance-Tag fotografiert, immer umsonst, denn wenn man ihm Geld gibt, sagt er „Nein“. Mit viel Aufwand hat er das immer fotografiert. Er sollte eigentlich heute da sein, hat aber einen Sohn, und auf den passt er auf wie Alex auch.
Diese verschiedenen Charaktere haben diese Gruppe geformt und bei diesem Auftrag, den uns die Norina gegeben hat, wo wir alle „Ja“ gesagt haben, ging es erstmal mit den Entwürfen los. Dann ging es darum, die Drucker und die Frage, wer das übernimmt.
Lisa: Eine der ersten Fragen war auch, wie man Displays erzeugen kann für Fotografie? Man sammelt in sehr kurzer Zeit sehr viele Dateien an, so ging es uns allen. Deshalb hat man digitale Dateien in Massen auf seinen Festplatten und Rechnern. Solange es keine Ausstellungsmöglichkeit gibt, macht es nicht für jeden Sinn die Bilder in eine materielle Darstellungsform zu überführen. Das ist einfach zu teuer. Dann habe ich ein bestimmtes Format und werde dann angefragt für einen Raum, in dem das gar nicht passt. Was mache ich dann mit meinem Alu di Bond, das vielleicht 40 mal 60 ist. Hier oben beispielsweise auch ungeschützt wäre also, auch Versicherungswerte, die kein Mensch bezahlen kann, Bedingungen unter UV Licht, Regen, Schnee, Dürre, Hagel – Umstände, die die Fotografie sehr fragil machen. Nur als Bits und Dateien sind sie aber auch nicht präsentierbar. Im Vergleich zur Malerei oder zur Skulptur hat man Vorteile und Nachteile gleichzeitig: man hat wahnsinnig viel Material und auch relativ kostengünstig, aber eben immer nur in so einem Schwebezustand. Selbst wenn ich mich bewerbe oder Portfolios abgebe, habe ich die auch in einem pdf.
Das ist relativ schwierig, sich ein ausgedrucktes Konvolut an Arbeiten zuzulegen. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass ich meine Fotografien einmal zeige und dann jahrelang in meinem Atelier stehen habe. Das nimmt dann Stauraum weg. Es ist nicht so flexibel, wie man sich das wünscht.
Dann haben wir lange überlegt, wie wir das machen. Wir sind zu siebt und wir haben einen relativ langen Präsentationszeitraum von einigen Wochen. Produktionsbudget ja, aber jetzt auch nicht so, dass man damit sieben Leuten gerecht wird und wirklich wahnsinnig viel zeigen kann.
Nesa: Dann gab es lange Diskussionen. Welches Thema machen wir? Wollen wir politisch werden? Wollen wir über die Baustellen in Karlsruhe berichten? Was ist eigentlich Struktur? Dann war der Zeitpunkt da, wo wir Sachen einreichen, mussten zum Drucken und dann ging es darum wer die Entwürfe macht? Dann haben drei Leute die Entwürfe gemacht. Das ist Gruppendynamik, die ich sehr interessant finde: Leute haben Verantwortung übernommen, indem sie die haben Entwürfe gemacht haben. Mich hat es gar nicht mehr interessiert, was für Fotos da waren – das war unsere Gruppe, wir haben das gemacht.
Lisa: Es gibt einerseits einen Zeit- und Produktionsdruck, aber es gibt ein paar Eckpunkte, die man sich dabei überlegen muss. Wie sind die räumlichen Gegebenheiten? Biete ich einen erzählerischen Faden? Wie gehe ich dabei vor? Wie macht man Auswahl?
Ich finde, dass zum Teil sichtbar wird, wer woran gearbeitet hat, und dass man das merkt, wenn man die Leute kennt. Es ging aber nicht darum.
Wir haben das lange besprochen, ob wir Texte dazu schreiben. Letztendlich ist es aber so, dass man, wenn man sich die Ausstellung anschaut, das nicht erkennt und auch keine Hinweise bekommt, von wem welche Arbeit ist.
Es gibt auch kein Thema so für die einzelnen Ausstellungen und das ist auch nicht unbedingt allen klar, glaube ich, dass es da drei Mal einen Wechsel gibt und man immer noch mal neue Hängung sieht. Im jetzigen Zustand erkennt man das ein bisschen, weil wir uns entschieden haben, die erste Auswahl hängen zu lassen und diese überzuplakatieren. Diese Überplakatierung greift auf, wie man Fotos oder Bilder im öffentlichen Raum sieht, also einfach übereinander geklebt. Das ist in der Kunstgeschichte ein bekanntes Thema seit den 60er Jahren.
Das Schöne an diesem Ort und an den Gegebenheiten, die wir hier vorgefunden haben, ist, dass man sich mit dieser öffentlichen Situation auseinandersetzen. Das war für uns ausschlaggebend, dass wir uns verschiedene Displays angeschaut haben. Wir haben lange recherchiert. Was bedeutet Bild? Was bedeutet Fotografie? Was ist das für eine Art von Medium? Wie verändert sich das, je nachdem, wie aufwendig oder hochwertig das präsentiert wird? Und letztendlich haben wir uns für diese Plakatform entschieden, weil das wahnsinnig gut passt zu dem Ort und auch für unsere Arbeitsweise ein Medium ist, dass schnell erzeugbar ist und dem entspricht, wie die meisten wahrscheinlich auch mit Bildern arbeiten, nämlich für eine Art Werbeästhetik oder Präsentationsästhetik, Displayästhetik in öffentlichen Räumen. Wir können euch zeigen, wie unser erster Entwurf aussah. Was sind die drei Wände, die ihr hier seht. Wir haben uns für einen digitalen Entwurfs entschieden, weil das kostengünstig ist und weil das digital über einen Shared-Ordner gut zu bearbeiten ist. Wir können dann alle darauf zugreifen und auch einen Einblick nehmen.
Nesa: Wir hatten Leute in der Gruppe, die sich sehr gut damit auskannten und Leute in der Gruppe, die sich überhaupt nicht damit auskannten und dann war das klar, wer das macht. Ich habe keine Ahnung, Google Cloud habe ich noch nie benutzt und ich war nicht der einzige.
Ich hätte gern diese Kartonsache gemacht. In dieser Gruppe hat jeder bestimmte Talente oder Fähigkeiten und dann war klar, wer auch die Verantwortung übernimmt. Und die hatten auch natürlich mein Vertrauen bzw. unser Vertrauen.
Die Bearbeitung der Fotos war auch eine Sache. Da hatte ich auch wieder keine Ahnung. Wie schicke ich die Bilder in den Druck? Wer macht das? Macht das eine Person, machen das zwei Personen? Machen das alle für sich? Letztendlich hat jeder seine eigenen Fotos bearbeitet und natürlich gab es Probleme beim Drucker, weil jeder andere Druckereinstellungen gemacht hat. Wer bestellt diese Fotos? Es war immer die Frage, wer bestimmte Aufgaben übernimmt.
Wir haben die Wände mit Hilfe von WERKstattPALAST-Leuten gebaut. Wir haben auf einem unebenen Boden eine gerade Wand gebaut. Wir haben die Wand insgesamt dreimal verschoben. Wir waren auch dadurch so nah am WERKstattPALAST, dass wir das auch alles gefühlt haben. Irgendwann kamen die Fotos an die HfG, verschiedenen Größen, Total falsch also. Sebastian konnte dann, dank seiner Kontakte, schnell woanders Drucke bestellen.
Wir haben mit dem Prozess gearbeitet. Was passiert ist, haben wir angenommen und haben daraus was gemacht.
Lisa: Obwohl das so eine offene Gruppe ist und ein offenes Arbeiten und es von Beginn an ungeplant war, erfordert es ab einem Punkt Homogenisierungprozesse, dass sich alle einigen auf bestimmte Farbvarianten oder Formate, d.h. die eigenen Bilder zuschneiden auf vorgegebene Formate, die es bei diesen Online-Druckereien gibt. Das bedeutet, dass sich das Wissen ein bisschen angleicht und sich alle auf einen gleichen Wissensstand begeben. Das ist dann schon ein Schritt Richtung Strukturiertheit, die viele zuerst ablehnen. Letztendlich geht es in einer Gruppe dann aber nicht anders.
Nesa: Wir haben ja keine Hierarchie gehabt in der Gruppe. Und dann ist das schwierig herauszufinden, wer der „Boss“ ist, und Verantwortung übernimmt. Wer entscheidet?
Am Ende hat immer alles geklappt und es war immer cool. Das war das Schöne daran ist, zusammen zu arbeiten und sich dadurch auch kennenzulernen.
Hannah: Ich habe eine Frage, die ich euch schon die ganze Zeit stellen will und ich glaube ich bekomme eine Absage: darf ich jetzt endlich erfahren von wem welches Foto ist?
Lisa: Bei uns hast du relativ gute Chancen.
Nesa: 90 % sind von Manu, habe ich das Gefühl.
Lisa: Nein, das stimmt überhaupt nicht. Wir haben pro Auswahl ungefähr jedes Mal 35 Bilder, und wir sind zu siebt in der Gruppe. Deshalb haben wir versucht, das sehr gleichmäßig aufzuteilen.
Nesa: Das kam immer drauf an, wer den Entwurf gemacht hat, habe ich das Gefühl.
Lisa: Willst du ein bestimmtes Foto erfragen?
Hannah: Bei manchen habe ich eine Idee wie sie fotografieren, aber z.B. Nesa mit der ein Einwegkamera, habe ich gar keine Idee, was für Motive dabei rumkommen? Ja auch bei dir, Lisa, ich weiß gar nicht.
Nesa: Das machen wir jetzt nicht. Dann wäre es ein bisschen zu viel.
Lisa: Nicht alle, aber da kann man ja schon mal sagen.
Emma-Lilo: Oder macht es später im Privaten.
Das ist das erste Mal seit langem, dass ich eine Ausstellung gesehen habe, wo die Namen nicht dabeistehen. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich fand das super, ich fand das echt ein erfrischendes Konzept. Ich habe die Arbeiten mit einem anderen Blick angeschaut. Klar habe ich am Anfang noch versucht herauszufinden, von wem es wohl war. Das war eine andere Herangehensweise für mich, als ich die Fotos betrachtet habe, eine Loslösung. Ich habe mich dann nur noch auf das Motiv konzentriert und nicht mehr versucht darin den Künstler zu lesen. Ich habe mir in letzter Zeit sehr viele Gedanken gemacht zum Thema Professionalität und Amateurin-sein in bestimmten Bereichen und ab wann eine Ausstellung oder eine bestimmte Kunst auch legitim ist. Muss ich als Grafikdesignerin alle Adobe Programme richtig gut können, um eine gute Grafikdesignerin zu sein oder kann ich auch nur mit Gimp arbeiten. Auch als Fotografin kann ich nur mit dem Handy fotografieren, aber trotzdem Wahnsinns-Arbeiten machen. Diese Durchmischung, die da drin stattfindet und auch was die beruflichen Stadien auch von eurer Gruppe betrifft, hat gut dargestellt, dass es das eben diesen Lebensweg nicht unbedingt braucht. Das fand ich gut in dem Fall und das ist eines meiner Lieblingsteile hier im WERKstattPALAST.
Norina: Ich fand das gerade einen interessanten Einwand, denn ich brauche die Autorenschaft dahinter auch nicht zwingend. Ich glaube aber, wenn Menschen sich neu in das Medium Fotografie einfühlen, das vielleicht eine Hilfe sein kann, dass man das Medium besser greifen kann. Es ist vielleicht interessant zu wissen, dass das eine professionelle Kamera ist oder nicht? Es würde für mich das Motiv nicht schwächen oder besser machen, sondern zu wissen ah, so ein Bild kriege ich daraus, weil die Kameras eine andere Beschaffenheit haben oder eine andere Bildwirkung bestimmt durch das Medium, was man nutzt. Ob es dann die Einwegkamera ist oder analog oder selbst entwickelt oder im Labor entwickelt.
Das könnte vielleicht eine Chance sein?
Nesa: Du bist auch so ein Nerd. Mich interessiert das Motiv. Vor allem bei Manu, der so viele verschiedene Foto hat, der kriegt manchmal Fotos geschickt von Leuten, die er präsentiert. Bei Manu geht es nur um das, was da drauf ist, es geht gar nicht darum, ob er es gemacht hat, also der Autorenschaft.
Norina: Die Autorenschaft interessiert mich z.B. gar nicht.
Lisa: Ich finde aber, dass, wenn man sich viel beschäftigt mit Fotografie, man Sachen sieht. Ich finde es auch interessant über die Hintergründe von Bildern zu erfahren, so wie man das in der Malerei macht. Das macht einen Unterschied, ob das Öl oder Acryl ist und was für Medien zur Anwendung kamen.
Mich würde auch von anderen interessieren, wie sie das finden, weil wir insgesamt noch gar nicht wirklich Eindrücke gesammelt haben zu der Herangehensweise. Dadurch, dass ich Vermittlung im Grunde wichtig finde, in meinem anderen Standbein Kuratieren ist das natürlich ein wichtiger Aspekt. Es geht jetzt nicht darum, Arbeiten zu zeigen und sich dann zu verschließen und zu sagen „Na ja, der Betrachter muss halt einfach alles selbst wissen.“ Das finde ich nicht vertretbar.
Norina: Vielleicht muss es nicht im Ausstellungskontext selbst sein, sondern wird spannend für uns, wenn es nächstes Jahr um die Publikationen über Struktur geht, wo alle 190 Einzelpersonen, die hier was beitragen, noch mal gefragt werden. Dann könnte man sowas vielleicht auch überlegen, ob es einen kleinen Schlüssel gibt. Das muss nicht der Autor oder die
Autorin sein.
Nesa: Was ich gefühlt habe bei der Gruppe, war, dass es erstmal für uns ist, was wir machen. Wir machen das erst mal für uns. Das muss für uns cool sein und Spaß machen. Als Betrachter kannst du mit uns reden und Informationen bekommen, wenn du es nicht cool findest, wenn du es nicht verstehst. Das Wichtigste war, dass es für uns gut war, sodass wir uns wohl gefühlt haben mit dem Ganzen.
Lisa: Das entsteht aus einem Zustand, wo man für Fotografie sonst immer sehr, sehr viel Rechtfertigung braucht. Dann wieder unbefangen an die eigene Arbeit zu gehen, ist für viele wahnsinnig schwer. So die Vorgeschichte dazu. Genau, eigentlich geht es darum Spaß an der eigenen Arbeit zu haben, und die wird einem aber manchmal sehr ausgetrieben durch diese ganzen Dinge und Kontexte und Bezüge, die man im Kopf haben sollte und auf die man reagieren und Rücksicht nehmen muss.
Das ist der Ursprungsgrund für diese AG, dass wir versuchen, uns aus diesem Konzept-Kunst-Anspruch zu lösen – also weg von der Forderung, die in den letzten 30-40 Jahren besteht, dass wenn du fotografierst, dass einen geisteswissenschaftlichen konzeptuellen Hintergrund haben muss. Und sich daraus wieder zu lösen und zu befreien ist wahnsinnig schwer. Das ist unser Background zu dem Wunsch, mit mehr Spaß heranzutreten und Fotografien zu sehen als eine Komposition von Farben und eine Gestaltung von Licht und etwas, was Atmosphäre übermittelt und ein bestimmtes Lebensgefühl und eine Haltung zum Leben oder zum Alltag und zu dem, was mich umgibt.
Lisa: Weil die anderen nicht da sein können, haben wir die anderen gefragt, ob sie uns ein paar Statements schicken, was Photographie für sie bedeutet.
Nesa: Wir hatten die Überlegung, dass wir euch auch unsere Telegramm Gruppe zeigen, aber das wäre krass gewesen.
Lisa: „Mein schönstes Fotoerlebnis ist jedes Mal, wenn ich die Kamera und meine Filme zusammenpacke.“ (Jehad Otmann).
„Das Schönste am Fotografieren ist die Umgebung aktiv wahrzunehmen und sich quer zum Alltagsgeschehen zu bewegen, einfach stehen zu bleiben.“ Manu Sekou bezeichnet das als Psychogeografie. Das ist eine Erfahrung, die jederjede Fotografin macht, dass man den Gruppenanschluss sehr schnell verliert, wenn man in Exkursionen unterwegs ist und dann fotografieren möchte. Dann hat man die da war man die längste zeit des tages in einem ich mein auch
Mascha Deger: „Ich habe manchmal das Gefühl, die Fotografie oder das Sammeln von Bildern sind eng mit der Kleptomanie verbunden, aber das Schöne daran ist, dass ich legal einfach Dinge und Momente mitnehmen kann und sie im besten Fall auch noch bei anderen etwas auslösen. und jetzt vielleicht das von Alex auch noch mal vorlesen, dann haben wir das auf.
Alex Theis: „Mit der Fotografie verbinde ich die Möglichkeit, zum einen, durch den Ausgleich meine Aufmerksamkeit zu stärken und mich dadurch wiederum auszudrücken Der schönste Moment ist meist der, bei dem man völlig von dem Bild überrascht wird, wenn man es sich das erste Mal anschaut.“ Das würden wir auch bestätigen das ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, Fotos dann zu sehen, nachdem man sie ausgelöst hat.
Nesa: Wir hätten einen ganz anderen Vortrag gehabt, wenn irgendjemand anderes von uns da wäre. Das sind andere Ansichten, die die Leute haben in unserer Gruppe, wie das Ganze funktioniert hat. Wenn ihr die mal trefft, sprecht sie mal drauf an, wie die das erlebt haben.
Lisa: Ich würde es auch nicht als Vortrag bezeichnen. Wir haben euch ein bisschen Hintergründe gegeben, wie die Arbeit zustande kam, die man oben sieht und vielleicht ein bisschen Einblick, wer dahintersteht. Wir würden das auch sehr gerne mal als Vortrag vorbereiten, aber dazu braucht man viel Zeit und das wäre für uns zu siebt eine extra Challenge, ein neuer Torpedo
Mitschnitt: ato
Bauen, Material, Kreislauf
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