Programm

Samstag · · 17:00 Uhr · Dialog

Kunst Macht Markt – Wie fair teilen?

Vortrag der Künstlerin Sophia Pompéry über Macht und Markt in der Kunst, zum Auftakt des Themenabends „Wie fair teilen?“.

VortragArchiv · WERKstattPALAST 2022

Worum es ging

Die Künstlerin Sophia Pompéry sprach auf Einladung des Kunstbüros der Kunststiftung Baden-Württemberg über Macht und Markt in der Kunst. Die WSP-Publikation zitiert sie im Kapitel „Macht“: Hochschulen erzeugten „isolierte Genies, die nach ihrem Studium komplett allein gelassen werden“. Und: „Im Moment findet ein digitaler Wandel statt und das ist der Moment, wo wir aktiv werden können und wo wir mitbestimmen können, wie dieser Wandel stattfindet.“

Beteiligte

Sophia Pompéry (Künstlerin), eingeladen vom Kunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg

  • Sophia Pompéry

    Künstlerin

    Künstlerin. Im WERKstattPALAST sprach sie über Kunst, Macht und Markt und gab einen Workshop zur künstlerischen Existenz im digitalen Wandel.

  • Kunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg

    Programmpartner · Kunststiftung Baden-Württemberg

    Beratungsstelle für Künstler:innen in Stuttgart. Das Kunstbüro hat Sophia Pompéry zum Wochenende „Wie fair teilen?“ eingeladen.

Blick von hinten durch die Gerüsthalle auf Publikum mit roten Stühlen und eine Projektion am Ende des Raums.
Foto aus dem Themenfeld · Vortrag von Judith Milz · Salon · Foto: Yael Kolb

Medien

  • audio · 1:17:04

    „Kunst Macht Markt – Wie fair teilen?“

    Vortrag der Künstlerin Sophia Pompéry, eingeladen vom Kunstbüro Baden-Württemberg.

    Transkript

    Redigierte Fassung für die WERKstattPALAST-Publikation.

    Kunstbüro Regina: Ich bin auch nur zu Gast hier. Aus Stuttgart sind wir gekommen vom Kunstbüro. Mein Name ist Regina, trotzdem von mir auch herzlich willkommen, Sophia, Hallo ato. Danke, dass wir da sein dürfen. Wir freuen uns sehr über diese Kooperation.

    Wir haben zusammen für heute und morgen Sophia Pompery eingeladen. Sophia ist aus Berlin zu uns gekommen, und bevor sie einen kleinen Vortrag oder Input hier gibt, möchte ich sie ganz kurz vorstellen. Sophia ist sowohl Künstlerin als auch Lehrende. Sie hat Bildhauerei studiert an der Kunsthochschule Weißensee und war dann auch noch an der UdK am Institut für Raumexperimente bei Olafur Eliasson. Wir sind auf Sie aufmerksam geworden, vor allem durch ihre Lehrtätigkeit an der Weißensee Kunsthochschule. Dort leitet sie ein Programm zum Empowerment, zur Weiterbildung von Absolventen. Aber sie ist genauso sehr Künstlerin durch und durch. Ihre Arbeiten waren in großen Häusern schon ausgestellt: am Städel Museum, in der Kunsthalle Baden-Baden, um jetzt nur diese beiden zu nennen. Für uns ist sie ebenso interessant, weil sie in diesem Feld des Empowerments arbeitet für Künstlerinnen, was wir auch im Kunstbüro machen. Sie arbeitet daran, Künstlerinnen zu unterstützen, ihre Arbeit sichtbar zu machen, sich selbst besser aufzustellen, kommunikativ fit zu werden und sich einfach in diesem Kunstfeld souverän zu bewegen. Wir beobachten, was sie macht und fanden das großartig und freuen uns, dass sie jetzt zum ersten Mal mit uns auch zusammenarbeitet und jetzt einen kleinen Input gibt oder einen Vortrag und über ihre Beobachtungen spricht, wie der Kunstmarkt oder das ganze System aktuell aufgestellt ist, was gerade passiert, was vielleicht auch durch die Pandemie passiert ist, was sich da bewegt, was für neue Ideen, Strukturen, Modelle es gibt sich in diesen Kunstmarkt zu bewegen.

    So viel zum Ablauf. Sophia wird jetzt etwa eine halbe Stunde ihre Gedanken mit uns teilen. Ihr könnt gerne Zwischenfragen stellen. Im Anschluss gibt es auch noch mal die Möglichkeit Verständnisfragen zu dem Vortrag zu stellen. Dann machen wir eine kurze Pause und gehen dann über in eine Diskussion mit ato, mit Antonia, meiner Kollegin, mit Anna Schiefer, eine ganz tolle Künstlerin aus Stuttgart und Berlin, die heute zu uns gekommen ist und moderiert von Leo.

    Sophia: Herzlichen Dank Regina für das sehr warmherzige Intro und Vorstellen. Herzlichen Dank für die Einladung.

    „Kunst Macht Markt – wie fair teilen?“ Als Künstlerin, wenn man auf eine Party eingeladen ist, kriege ich immer drei Fragen: Wie heißt du? Was machst du? Und kann man davon leben? Und dann antworte ich immer so aus aus dem Reflex raus „Wieso? Sehe ich eigentlich so verhungert aus?“ Und eigentlich ist diese Frage gar nicht so banal, weil wir inmitten eines revolutionären Wandels sind wirtschaftlich, und das natürlich auch unsere Existenz als Künstler stark beeinflusst. Die Frage „Kannst du davon leben?“ zu beantworten ist eigentlich viel komplexer, als dass der Fragende im ersten Moment sich vorstellen kann.

    Regina, als du mich eingeladen hast, hast du mir in einer E-Mail geschrieben, dass du gerne einen Vortrag hättest zu folgendem Thema: Unter welchen Bedingungen wird Kunst heute produziert, präsentiert, vermittelt und verwertet? Wer verdient an der Kunst und wie können wir Strukturen jenseits des klassischen Kunstsystems bzw. des Marktes schaffen, die eine faire Beteiligung aller Mitwirkenden herstellen? Welche neuen Formen der Kooperation, auch interdisziplinär, sind denkbar? Welche bisher nicht mitgedachten gesellschaftlichen Bereiche können heute von Künstlerinnen maßgeblich mitgestaltet werden? Das sind wahnsinnig viele Fragen für 45 Minuten, und ich werde mir Mühe geben, darauf weitestgehend einzugehen, aber seht es mir nach, dass ich einige Dinge nur sehr oberflächlich streifen werde, weil 45 Minuten wirklich nicht viel Zeit sind für solche wirklich wichtigen rudimentären Fragen.

    Ich versuche diese Fragen anhand von drei Aspekten zu besprechen, und zwar:

    Digitalisierung ist in meinen Augen in erster Linie eine Machtverschiebung. Also ein paar Worte zu Markt und Herrschaft in der Ökonomie der Unknappheit.

    Und dann, wenn wir darüber sprechen, was eigentlich die Zeichen der Zeit sind, würde ich gerne kurz darüber sprechen, was sich unter der Pandemie explizit für den Kunstmarkt verändert hat. Wie die meisten Künstler, so bin ich auch in Mathe eher nur Deko gewesen, aber ich habe trotzdem ein paar Statistiken mitgebracht, die ich sehr interessant finde, dass wir uns die mal anschauen, wie sich der Markt gerade verändert.

    Drittens habe ich ein paar Beispiele für neue Formen der Teilhabe und Kooperation mitgebracht, wohl wissend, dass ich hier bei ato bin und das auch ein überaus hervorragendes Beispiel dafür wäre, aber dachte ich, bringe ich noch ein paar weitere Beispiele mit.

    Machtverschiebung, was heißt das eigentlich? Wenn wir uns anschauen, wie vor 20 Jahren die DAX Unternehmen aufgestellt waren und welches die höchstdotierten Unternehmen oder wertvollsten Unternehmen weltweit waren, dann waren die meisten Unternehmen entweder Industriekonglomerat oder aus dem Bankensektor, also im Prinzip große Industrien, Banken, Energielieferanten. Und wenn wir uns das heute anschauen, dann sind die richtig großen Player abgelöst. Und zwar sind das alles Internetgiganten, wie Apple, Google, Amazon oder Tencent. Wir alle tragen inzwischen Hochleistungsrechner in unseren Taschen, unsere Waschmaschine kann man ans Internet koppeln, und die Digitalisierung begegnet uns in jedem Bereich des Alltags und hat die Art, wie wir leben und arbeiten stark verändert. Videokonferenzen sind normal und alltäglich geworden, es ist in vielen Berufen längst üblich. Viele kaufen Lebensmittel bereits online, wir buchen den Urlaub über eine App. Eigentlich in jedem Bereich unseres Lebens hat die Digitalisierung Einzug gehalten. Der technologische Wandel ist in im vollen Gange und genauso wird natürlich auch die Wirtschaft geändert. Das ist keine Seltenheit, dass Einzelteile per 3D-Druck gefertigt werden und von Robotern montiert werden und der Vertrieb findet ebenfalls digitalisiert statt.

    Jetzt ist der nächste Schritt, dass die künstliche Intelligenz das Potenzial hat, Prozesse in der Industrie, aber auch in der Kunst grundlegend zu verändern. Warum sollte diese Digitalisierung vor der Kunst halt machen? Ich würde sagen, dass unsere Welt in einem disruptiven Prozess steht, wir sind da mittendrin.

    (Als kurzen Exkurs: Ich habe gehört, dass die KI von Dory freigeschaltet worden ist für den allgemeinen Gebrauch. Vor zwei Tagen ist diese Software für jedermann zugänglich geworden, wo man anhand von ein paar Suchbegriffen dann sich Bilder generieren lassen kann. Ich habe das aus Spaß gemacht. Ich habe Ort im Evening WERKstattPALAST Painting bei Leonard Feininger eingegeben. Und das waren die Resultate. Und als ich auf dem Weg hierher war, da war ich dann irgendwie doch sehr überrascht, wie nah das eigentlich ist. Ich bin das erste Mal hier, ich habe weder Karlsruhe noch den Standort eingegeben. Das ist das, was da innerhalb von zwei Sekunden auf dem Bildschirm erschien. Und dann dachte ich Okay, gut, ich mach das noch mal und hab dann eingegeben Ort und Eving WERKstattPALAST, new structure people, joining a panel talk. Ich finde von der Atmosphäre fängt es das ziemlich gut ein. Wenn ich das abgleiche mit dem, was hier heute Abend stattfindet, und wie ich das gerade sage, habe ich gerade Gänsehaut, weil ich mich frage, warum eine kleine regionale Zeitung noch einen Grafiker engagieren sollte, wenn man auf diese Art und Weise quasi kostenlos gute Illustrationen bekommen kann, die eigentlich eine Stimmung einfangen können. Aber das nur als kurzen Exkurs.)

    Wir sehen, der digitale Wandel bringt nicht nur neue Produkte und Dienste, sondern braucht auch Antworten und Lösungen. Dann fallen Schlagworte: intelligente Vernetzung, leistungsfähige Dateninfrastruktur, größtmögliche IT-Sicherheit in der Wirtschaft. Und dann kommt auch relativ bald danach, das Schlagwort digitale Souveränität, was ich auch einen sehr interessanten Begriff finde. Wem gehören eigentlich die Daten, die wir von uns geben und wie kann ich auf meine digitale Souveränität auch als Privatperson achten? Auch Nachhaltigkeit. Das sind die Leitmotive. Es gibt diverse Studien zu dem Thema, dass Wohlstand und Lebensqualität durch die Digitalisierung wachsen also je engagierter wir diese digitale Transformation voranschreiten, umso mehr scheint sich Wohlstand und Lebensqualität zu mehren und gleichzeitig, und das ist irgendwie anscheinend kein Widerspruch, sieht man im selben Satz, Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit, dass das beides irgendwie kein Widerspruch ist.

    Wir sehen, dass dieser digitale Wandel in der Wirtschaft zu einer neuen Einkommens- und Vermögensverteilung führt. Es gibt eine Umverteilung von Geldern im Moment in rasantem Maße und gleichzeitig, wenn man dazu Studien liest, sind die sich fast alle einig, dass das eine Ungleichheit bringt, also dass diese Vermögensverteilung eine ungleiche ist. Ich nehme an, dass es daran liegt, dass die Politik ziemlich lange einfach nichts getan hat in dieser Geschichte. Und diese Digitalisierung, wie so eine Naturgewalt aufgefasst ha, wie so ein Hurrikan, der einen überkommt. Das ist auch am Anfang meine Erfahrung gewesen, als kleiner Fisch und das kommt alles irgendwie überwältigend. Gleichzeitig ist es aber gerade keine Naturgewalt.

    Und im Moment findet ein Wandel statt und das ist der Moment, wo wir aktiv werden können und wo wir mitbestimmen können, wie dieser Wandel stattfindet. Ich sehe darin auch eine große Chance. In den letzten zwei Jahren haben wir gesehen, dass sich diese Digitalisierung unter Covid noch einmal rasant verschnellert und unser tägliches Zusammenleben wird maßgeblich davon bestimmt. Die Machtstrukturen ändern sich. Man hört, dass Gatekeeper wegfallen, also Mittelsmänner (sagt man eigentlich Mittelsfrauen, wenn es gegendert wird?). Die können wegfallen, und es findet eine einzigartige Machtverteilung im Internet statt. Machtverhältnisse ändern sich wie lange nicht mehr. Und das ist ein sehr interessanter Moment, weil das eine große Chance für mehr Gleichstellung und für mehr Teilhabe ist und dafür neue und faire Strukturen zu schaffen, und es ist eine Chance, um mitzugestalten. Es ist in meinen Augen eine große Möglichkeit, endlich faire Teilhabe zu bekommen. Wir sind inmitten einer Machtverteilungsfrage, und die Frage ist tatsächlich wie verteilen? Und ich sehe darin den Kunstmarkt als besonders symptomatisch, weil diese prekären Verhältnisse dann, mit dieser Digitalisierung gekoppelt eigentlich wie unterm Vergrößerungsglas sind und hier, im Kunstmarkt oder im Kunst im weitesten Sinne, zeigt sich vieles noch in viel größerer Deutlichkeit als sonst auch allgemein in der Gesellschaft. Ich würde sagen, dass das symptomatisch ist, was auf dem Kunstmarkt passiert, was dann eigentlich gesamtgesellschaftlich betrachtet ebenfalls passiert.

    Und jetzt ist die interessante Frage: Was heißt das eigentlich für unser Selbstverständnis als Künstler? Wie müssen wir uns darauf vorbereiten? Als ich studiert hab, war der Grundton, wenn du gute Arbeiten machst, dann kommt irgendwann der Galerist auf dem weißen Pferd dahergeritten und nimmt dich in sein Programm und fördert dich. Jetzt ist diese Berufsrealität von heutigen Absolventen eine ganz andere. Was bedeutet das für unser Berufsbild? Was bedeutet das für unser Selbstverständnis? Und wie kann man die heutige Berufsrealität auffassen und die neuen Hasen darauf vorbereiten?

    Was hat sich unter der Pandemie auf dem Kunstmarkt genau verändert? Ich habe euch ein paar Statistiken mitgebracht, und zwar vom art tech report. Der ist initiiert worden von den Macherinnen von office impart in Berlin, eine junge aufstrebende Galerie, die den Galerie-Begriff auch etwas weiter fasst als eine traditionelle Galerie. Und sie haben eine Umfrage gemacht unter 380 Kunstsammler:innen wie ihr Kaufverhalten im ersten Pandemiejahr war. Vielleicht ist es interessant, wenn man das aus künstlerischer Perspektive beantworten will, wie sich dieses Berufsbild ändert, das im Spiegel des Marktes mal anzuschauen und sich diese Statistiken reinzuholen.

    Ich habe mal so die Key-Findings dieser Statistik zusammengefasst für uns hier heute Abend. Es lohnt sich aber auch diese gesamte Umfrage und Gesamtauswertung zu lesen. Nach einem Jahr Pandemie haben sie rund 400 internationale Kunstsammler:innen zu ihrem Online Kunstkauf Verhalten. Diversität war ihnen wichtig, und sie haben deswegen darauf geachtet, dass Hälfte, Frauen und Hälfte Männer sind. Dass junge Sammler dabei sind, dass es unerfahrene Sammler, dass erfahrene Sammler, dass ältere Sammler dabei sind, dass Leute in der Umfrage sind, die unter 1000 Euro ausgeben und Leute, die mehrere irgendwie fünf bis sechsstellige Summen ausgeben. Man kann natürlich die Kritik äußern, ich glaube, 380 Leute waren es, das ist nicht allzu repräsentativ, aber ich denke, das zeigt in gewisser Weise eine interessante Tendenz und deswegen würde ich mit euch gerne kurz diese Schlüsselaspekte anschauen:

    Kunst wird online gekauft.

    80 % der Befragten haben schon mal online gekauft, davon 50 % sogar mehr als einmal und 14 % sogar mehr als zehn Mal. Es gibt anscheinend keine signifikanten Unterschiede zwischen dem Alter und den Geschlechtern. Das finde ich auch eine interessante Info. Nicht nur junge Künstler sammeln online, sondern anscheinend alle Generationen. Gekauft wurde vor allem Malerei, Edition Fotografie, 58 % der Onlinekäufe fielen auf junge, 27 auf mid(?) und 15 % auf etablierte Künstler:innen. Es kann aber auch mit dem Angebot zusammenhängen, weil das, dass erste Pandemie Jahr war und dieser Onlinehandel noch relativ neu war.

    Es gibt den Wunsch, dass man Preise sehen soll.

    Das ist gerne unter der Hand gehalten, im klassischen Kunstmarkt. Immer nur auf Nachfrage. Das führt dazu, dass die Schwelle zum Kaufen künstlich hochgehalten wird. Im Onlinekauf will man gerne sofort sehen was es kostet. Es gefällt mir, also kaufe ich. Teilweise ist dieser Prozess auch relativ schnell. Ich übertreibe, aber dass man in einer roten Ampelphase dann auch sich durchklickt und kauft. Das ist ein anderes Kauferlebnis als in eine Galerie zu gehen und dann lange beraten zu werden, darüber nachzudenken. 9 von 10 Leuten wollen gerne Preise sehen, das spricht für eine gewisse Transparenz. In den abgefragten Online-Formaten, in denen Preise angezeigt werden, wird entsprechend am meisten gekauft. Das ist auch interessant. In Onlineshops haben 66 % gekauft und auch auf online Auktionen. Zitat dazu „Price transparency is extremly helpful and not wasting our time.“

    Website ist Key

    Die Künstler-Website scheint das Informationsmedium zu sein, was Sammlerinnen sich anschauen. Die Mehrheit aller Befragten gab an, dass ihnen eine intuitive und ansprechende User Experience wichtig ist, wenn sie sich online bewegen und die Kritik ist, dass viele Galerien das nicht verstehen und zu komplizierte, zu komplexe Webseiten haben, mit zu viel Informationen wo man sich nicht einfach durchscrollen oder durchklicken kann und wo die User Experience einfach nicht gut genug ist. Die Menschen informieren sich bei 85 % tatsächlich über die Website des Künstlers und danach erst über die Plattformen oder Onlinemagazine. Das ist für uns Künstler eine wichtige Info, dass unsere Website an vorderster Stelle steht und danach erst andere Vermittlungsformate.

    Ungesehen gekauft

    78 % der Käufer:innen haben ungesehen gekauft, also haben ein Werk gekauft, was sie vorher physisch nicht gesehen haben. Das sind mehr als drei Viertel, das ist eine ganze Menge und dabei gibt es keine Unterschiede zwischen der Altersklasse und auch dem Geschlecht. Das ist insofern erstaunlich, dass viele trotzdem gesagt haben, dass sie es vermissen, physisch in Kontakt zu sein und dieses physische Erlebnis vermissen beim Kaufen. Zitat: „Live sehen macht mehr Freude, aber online gekauft habe ich trotzdem.“ Digital und persönlich muss es sein.

    Zwei Drittel der NutzerInnen von Online-Formaten wünschen sich persönliche Kommunikation in Echtzeit. Also du brauchst nicht nur eine gute Website, sondern musst irgendwie einen Kanal schaffen, wo die Leute mit dir in Kontakt treten können. Das Fehlen der persönlichen Kommunikation war entsprechend einer der Hauptgründe, warum dann jemand doch nicht gekauft hat. 25 % der Befragten wünschen sich einen Videocall oder 24 % auch eine Live Chat, 20 % vermissten einen Link zum direkten Messenger. Der persönliche Kontakt schafft Vertrauen und es ist wichtig für den Kauf. Alles andere kann auch digital aufrechterhalten werden.

    Social Media

    Über alle Altersklassen hinweg nutzten 86 % der Kunstsammler:innen Social Media über alle Altersklassen hinweg 80 %. Vorreiter ist Instagram. 71 % nutzen das dabei gezielt im Kunstkontext und lustigerweise Frauen deutlich stärker als Männer: 75 % der Frauen nutzen Instagram, während Männer nur bei 51 % liegen und direkt dahinter befindet sich lustigerweise LinkedIn wahrscheinlich eher als beruflicher Kanal, also noch vor Facebook oder Twitter.

    Wie ticken denn die Kunstsammler von morgen?

    Interessante News, die Next Gen Art Collectors sind die Sammler unter 40, die sie gefragt haben. Die meisten von denen sind weiblich. Der Frauenanteil der jüngeren Sammlergeneration liegt mit 64 % deutlich über demjenigen der Altersgruppe über 40. Das ist interessant. Also online Kunst kaufen scheint auch was im Gender-Bereich zu machen, dass vielleicht Frauen lieber online direkt von der Künstlerin oder vom Künstler kaufen als vom, ich sage jetzt mal männlichen Galeristen. Ich weiß es nicht genau, aber ich finde diese Zahlen irgendwie interessant. Über 40 % der jungen Kunstsammler:innen planen dieses Jahr mehr Kunst online zu kaufen als letztes Jahr. Dieser Wert liegt doppelt so hoch wie in den anderen Altersgruppen. Knapp 80 % der New Generation Art Collectors haben 2020 online Kunst gekauft. 76 % davon, ohne das Werk vorher gesehen zu haben 37 % ohne mit dem Künstler:innen vorab vertraut gewesen zu sein. Die Befragten New Art Collectors informieren sich im Kunstkontext deutlich stärker als ältere Kunstsammler:innen über soziale Medien. Die nächste Generation Art Collectors kaufen mit 66 % online vor allem Künstler:innen ihrer eigenen Generation. Aber ich glaube, das stimmt generell, dass die Sammler:innen meistens sich selbst kaufen, also so in derselben Thematik und auch im selben Geschlecht. Gekauft wurde vor allem Malerei, Edition und Photographie.

    Die Zukunft bleibt digital. 69 % der befragten Kunstsammler:innen werden dieses Jahr gleich viel oder mehr Kunst online kaufen, Frauen dabei mehr als Männer. Wahrscheinlich wird für zwei Drittel der befragten Kunstsammler:innen die Relevanz von Online Sales künftig weiter zunehmen. Und Frauen schätzen diese Entwicklung positiver ein als Männer, auch irgendwie erstaunlich. 73 % der Befragten attestieren Third Party Plattformen künftig das größere Sales Potential als Kunstkaufformat, gefolgt von Online Auctions, Online Shops und Instagram mit 63 %.

    Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich fand das erstaunlich und erfrischend, dass online The New Normal ist.

    Was heißt es denn nun für uns? Heißt es, vor allem im Hinblick auf die Aussage, dass man sich den persönlichen Kontakt zu den Künstler:innen wünscht, dass Sammler Follower sind, dass wir Künstler darauf achten müssen, dass wir unsere Follower pflegen und diese Kontaktmöglichkeiten herstellen, und dann braucht man eigentlich im Prinzip keine Mittelsmänner, wenn man diese Vermittlung und Kontaktpflege zu seinen Followern selbst übernimmt, aber das muss man halt auch machen und machen wollen. Wir haben Möglichkeiten, aber das ist auch mehr Verantwortung und hier kommt dann der Aufbau von Netzwerk dazu und die Pflege von diesem Netzwerk, unabhängig vom Online-Kunst-kaufen und so weiter.

    Gab es noch einen zweiten Hype? Und zwar alles rund um ich weiß nicht, wie sehr ihr bewandert seid und was ihr hier heute schon alles diskutiert habt, wenn ihr wünscht, dass ich da eine kurze Definition zugebe, dann sagt bitte Bescheid. Ich würde euch gerne in Bezug auf NFTs ein Beispiel in der eigenen Arbeit zeigen. Ich habe eine Edition gemacht, die nennt sich Kryptonote und stellt sich der Frage: Wenn Geld nicht stinkt, wie riechen dann Kryptowährungen? Es sind 16 Parfümflakons, die Form ist entlehnt von einem Logo von Ethereum(?). Sie enthalten einen Duft und du kannst diesen Duft kaufen, aber man kann den Deckel dieses Flakons nicht öffnen ohne diesen Flakon zu zerschmeißen. Nur mit Wertzerstörung kommt man an den Duft. Die logische Konsequenz war für mich, dass die auch in Etha(?) gehandelt werden. Also das erste kostet 0,1, das zweite 0,2. Die Preise sind gestaffelt, weil ich glaube, dass Kunst und Geld gemein haben, dass es ein Vertrauen in der Gesellschaft gibt, dass es einen Wert hat und Kryptowährungen sind ja total volatil. Es spielt so ein bisschen damit, dass man auf dem tradierten Kunstmarkt oft Preise staffelt, damit die Leute schnell kaufen. Im Moment fallen die Kurse, also kann sein, wenn man später kauft, dass man es dann am Ende doch günstiger gekauft hat als früher. Zusammen mit dem Flakon wird ein NFT verkauft. Juristisch gesehen ist es so: ich verkaufe das NFT und dazu gibt es den Flakon gratis und ich bin ein bisschen stolz, weil es war das erste NFT was an der ADK in Berlin ausgestellt war und wenn ich mir jetzt die Verkäufe anschaue, dann stelle ich fest, dass es funktioniert hat, dass die meisten es ungesehen gekauft haben. Das stimmt tatsächlich, ich kann diese Aussage im privaten selbst verifizieren. Viele haben das ungesehen gekauft, aber keiner der Sammler:innen ist ein Neuzugang. Alle kannten mich schon vorher und nur weil man ein NFT macht, heißt es nicht, dass man sofort einen neuen Markt hat. Das ist ein wichtiger Punkt, weil es viele Glücksritter gibt, die jetzt sagen: „Okay, ich mach jetzt NFTs und das ist ein neues Potenzial und eine neue Community – Bullshit. Das muss man auch pflegen, das muss man sich aufbauen. fazit der ganzen Geschichte ist, nur weil man ein neues Medium macht, nur weil man z.B. Lithografie ausprobiert, heißt das nicht, dass man neue Kunden kriegt und genauso ist es auch mit neuer Technologie: nur weil man einen NFT macht, heißt das nicht automatisch, dass man dann eine neue Sammlerschicht hinzuziehen kann.

    Andere Leute machen es ganz clever. Tea ist eine Plattform, die eine eigene Blockchain Währung hat, und zwar Titos(?). Ich weiß nicht, ob ihr das kennt. Das sind ein paar brasilianische Künstler und Informatiker gewesen, die sich zusammengetan haben und gesagt haben: „Wisst ihr was, wir machen eine eigene Währung.“ Das hat natürlich viel Potenzial, wenn sich das entwickelt und der Wert steigt. Es ist eigentlich ein Investment in die eigene Zukunft, wenn man so will, als Modell. Und sie haben dann eine eigene Plattform kreiert, die sieht, wenn man draufklickt, relativ dröge aus. Warum ich das interessant finde ist, dass ein Underdog zu einem Trendsetter wird. Die Leute kommen aus Brasilien, das ist so der Global South, und plötzlich, dadurch, dass sie sich eine eigene Plattform kreieren mit einer eigenen Technologie und entsprechend auch sehr gut vernetzt sind, sind sie auf Twitter zu einem Trendsetter geworden und sind auch auf dem westlichen Kunstmarkt total erfolgreich geworden. Für die Plattform nutzen sie eine andere Technologie als z.B. Ethereum(?), weil dies nicht nachhaltig und energieaufwendig ist. Sie sie haben eine Proof of Stake Architektur, die sehr nachhaltig ist. Sowas zu produzieren ist fast klimaneutral. Es wäre in meinen Augen die bessere alternative mit teos(?) auf dieser Plattform zu arbeiten als Künstler, denn auf Open C oder lift(?), die gateway (?) oder diesen ganzen anderen, die diese Nachhaltigkeitskritik haben. Die Einzigartigkeit auf dieser Plattform ist, dass es von Künstlern gebaut worden ist und entsprechend sind auch die Formate vielfältig! Sie können GIF, JPEG und noch viele andere Formate mehr als andere. Und diese ganze geldsüchtige Adaptation von Kryptopunks haben da z.Z. noch nicht drauf gefunden. Deswegen finde ich das eine sehr interessante Alternative, wenn man schon von über NFT spricht.

    Es gibt einen Künstler Mario Klingemann auch alias Quasimodo, der alle NFTs zu einem Werk verflochten hat, die jemals auf dieser Plattform publiziert worden sind. Stand 25. März, 2021 – die Daten sind ein bisschen alt – waren über 10.000 NFTs, die er dann zusammengebaut hat. Auf diese hier der glitsch(?) kann man den aktuellen Stand sehen, wie wie groß diese Plattform mittlerweile geworden ist.

    Ein anderes Beispiel. Wir haben gerade ein positives Beispiel gesehen von Netzwerk und neuer Technologie, es gibt auch Netzwerke als Genossenschaft. Ebenfalls sehr aktuell ist das Smart Berlin, welches gerade einen Preis für das soziale Unternehmen der Stadt gewonnen hat. Das ist eine Genossenschaft für Freiberufler. Es ist im Prinzip eine Shared Company, alle Mitglieder teilen sich die administrativen Kosten der Verwaltung, dieser wirtschaftlichen Leistung. Das ist deswegen von Vorteil, dass ich quasi als freischaffender Künstler Teil der Genossenschaft werde, und wenn ich einen Auftrag bekomme, dann läuft er über die Genossenschaft und die Genossenschaft, schreibt die Rechnung und schreibt die Mahnung und setzt auch die Konditionen durch usw. Ich habe dann diesen ganzen bürokratischen Apparat nicht am Hals, Rechnungslegung z.B., aber auch Auftragsvermittlung. Es kann auch sein, dass jemand an diese Genossenschaft herantritt und sagt: Hey, ich brauche ein neues Logo oder plane gerade ein Festival und brauche da einen Musiker als Act. Könnt ihr nicht jemanden aus eurer Genossenschaft empfehlen?“ Es ist auch gleichzeitig eine soziale Absicherung, weil die nämlich ermitteln, was durchschnittlich dein Einkommen ist über diese Genossenschaft und dir das dann monatlich auszahlen. Du hast nicht mehr diese Pieks in deinem finanziellen Fluss. Die rechnen aus okay, im Schnitt verdienst du so und so viel, wenn ich das jetzt auf einen Monat umlege, und dann kriegst du dieses monatlich und nicht mal ganz viel und dann wieder monatelang gar nichts. Es hilft gegen Durststrecken. Unter Corona z.B. sind ganz viele in Kurzarbeit gegangen, das kann man ja als Selbstständiger gar nicht, da gibt's ja nur Arbeitslosengeld. Aber wenn ich Angestellter einer Genossenschaft bin, dann kann ich auf so was zurückgreifen. Es ist ein ganz interessantes Konstrukt.

    Hannah: Ich hatte mit der Gründerin gesprochen und Künstler:innen ist da jetzt noch nicht der Fokus oder ist auch ein bisschen schwieriger als kreative Dienstleistungen, meinte sie zu mir, auch wenn die selbst alle aus der Kunst kommen. Es ist eher für Auftragsarbeiten im klassischen Sinne nicht unbedingt Verkäufe.

    Sophia: Okay, ich hatte das anders gelesen, aber ich glaube, die bedienen ein weites Feld und ich glaube, das ist auch der Vorteil, dass sie sehr Branchenübergreifend sind. Das ist ein sehr soziales, breit gefächertes Konstrukt.

    Ich würde euch gerne noch ein Projekt vorstellen, und zwar das nennt sich Goldanger. Das ist ein Tool was mein Partner und ich gebaut haben, und zwar ist es ein Tool für eigene Ausschüttungsmodelle. Während der Pandemie haben wir gedacht, eigentlich ist es doof, wenn immer nur dieselben von Digitalisierung profitieren und dann wieder die großen online Shopify Leute ihr Geld machen und es cooler wäre, wenn es irgendein kollaboratives E-Commercial Tool gäbe für uns Künstler. Im Prinzip ist Goldanger ein Knopf, den man auf jede beliebige html-Seite einbauen kann und wo man dann einen Verkaufsprozess starten kann. Aber im Unterschied zu einem Webshop kann man erstens diesen Knopf überall einbauen und ich muss nicht einen separaten Job haben. D

    Das andere ist wir möchten gerne ermöglichen, dass man sich vernetzt untereinander und sich gegenseitig empfiehlt und dann kann man eigene Ausschüttungsmodelle festlegen. Wir Künstler könnten z.B. sagen „Okay, wir machen jetzt Tag der offenen Tür im Atelier, packen das gleiche Zeug, was wir an den Wänden haben, online für das Wochenende und darüber hinaus. Und wenn irgendwas über diese Webseite verkauft wird, dann behalten wir 15 % zurück für die nächste Sommerparty oder für den Kurator oder auch für denjenigen, der empfiehlt. Man könnte messen, wenn ich z.B. sage, ich habe hier eine neue Edition und meine Kollegin und mein Kollege auch und ich bewerbe die mit und wenn über meine E-mail dann einer meiner Sammler draufklickt und kauft, dann kann ich halt z.B. eine Provision vereinbaren und dann fließt es vollautomatisch. Es ist aber so gemacht, dass es vom Datenschutz her auch so ist, dass ich gar nicht weiß, wer meiner Sammler was bei dem anderen gekauft hat. Ich weiß nur, dass da ein Verkauf gemessen wurde und im Sinne des Kontraktes fließen dann halt automatisch diese 20 %. Wir haben diese Sache noch nicht gelauncht. Die steht technisch und wir haben einen Pilot am Start. Wir haben das getestet, lustigerweise mit Winzern, weil es denen unter Corona genauso schlecht ging wie den Künstlern und dabei aber mehr Verkäufe passieren als in der Kunst. Wir hatten einen Blogger, der das beworben hat und mit ein paar Tests hatten wir dann im mittleren fünfstelligen Bereich innerhalb eines Monats Umsätze für die Winzer generiert, da haben wir 0 % genommen. Es ging wirklich nur für die kleinen Winzerbetriebe, aber das hat uns geholfen die ganzen Kinderkrankheiten auszumerzen. Dann haben wir ein Pilotprojekt gemacht mit der HBK Saar, also der Kunsthochschule in Saarbrücken und Weißensee. Das kann ich euch mal zeigen. Wir haben die Studierenden eingeladen Brieffreundschaften zu machen quer durch die Republik, also mit einer Person, die sie nicht kennen und gesagt: „Ihr habt 13 Wochen Zeit, um irgendwas online zu verkaufen und ich Naivling hab gedacht ja das wären dann bestimmt irgendwelche schönen goody bags oder Lesezeichen. Die hatten aber teilweise lustige Ideen, wie ich verkaufe einen Euro für zwei oder wir haben alle viel zu viel Zeug zu Hause, wir bringen Dienstleistungen, ich komme zu dir nach Hause und ich nehme eine Sache mit – diese kapitalistische Frage „Was ist online Shop“? So haben die interessant in Frage gestellt und die Studierenden haben dann beschlossen, dass sie mit 5 % aller Einnahmen ein Stipendium ausschreiben. Diese Website haben dann die Studierenden.

    Zu guter Letzt möchte ich euch gerne drei Beispiele zeigen, dass neben Netzwerken auch noch ein zweites Thema ganz wichtig ist. In diesem unbegrenzten Überfluss gehe ich stark davon aus, dass Kuration an Wichtigkeit zunehmen wird, dass man eine Auswahl trifft. Es gibt einfach so viel Zeug und ich bin der festen Überzeugung, dass das das Ding der Zukunft sein wird: irgendwie eine gute Auswahl zu treffen als Vermittlung. Mir sind in letzter Zeit drei Projekte über den Weg gelaufen, die da eine ganz hervorragende Arbeit machen:

    Wunderkammer aus München.

    Das sind zwei Damen über 50, die die Kritik hatten „Wer nimmt mich denn in der Galerie als Künstlerin? Mein Haltbarkeitsdatum ist schon so over“. Die haben eine sehr negative Erfahrung machen müssen auf dem Kunstmarkt und dann haben die gesagt „Okay, gut, dann machen wir halt die Wunderkammer“. Da geht es um ein analoges Erlebnis, Synapsen, Feuerwerk. Das sind die organisierenden Abende, wo Ausstellungen sind, aber wo auch Essen gekocht wird und wo es eine gute Diskussionsrunde gibt. Die Leute nehmen teil, um sich geistig weiterzubilden und den Austausch miteinander zu pflegen und es hier und jetzt zu feiern und dazu gehört auch das Visuelle. Ja, mir fehlen grad die Worte dafür, aber es sind eine ganze Landschaft von Dienstleistungen, die sich dann darum etablieren, inklusive gemeinsame Studienreisen unter einem kuratierten Aspekt und Workshops.

    Eine ähnliche Tendenz hat auch Studio for berlin (?)

    Das sind vier Galeristinnen die auch aus dieser tradierten Galerienszene kommen und feststellen, dass mittelständische Galerien es zunehmend schwer haben. Die haben sich zusammengetan unter diesem Format studio for berlin. Die sind zu viert und es ist zeitgenössische Kunst, Antiquitäten und Mode. Also auch Lifestyleprodukte, die, ich glaube, alle sechs Wochen, in einem Ausstellungsterminus immer ein anderes Thema haben. Dann gibt es noch ein anderes Angebot, nämlich dieses Online-Angebot. Was dann da steht, ist immer nur etwas Temporäres. Es lebt ein bisschen davon, dass dann nach einer bestimmten Zeit dann wieder andere Dinge vertrieben werden.

    Zu guter Letzt, möchte ich gerne ein Projekt vorstellen. Daniel ist auch hier, es freut mich besonders und zwar Das gute Leben Kandel. Das ist für mich eine besonders erfreuliche Geschichte, weil du unter der Pandemie die Idee hattest aus Weißensee nach deinem Studium nach Kandel zurückzuziehen und da mit deiner Liebsten zusammen, wie nennt ihr euch?, ist das ein Projektraum oder ist das eine Galerie?

    Daniel: Die Form ist sehr fluid, deswegen sind wir Projektraum, aber wir verkaufen auch. Wir machen auch Projekte im öffentlichen Raum und arbeiten auch in Kooperation mit Vereinen dort und mit der Stadt und mit der Verbandsgemeinde. Es gibt auch Workshops, Talks und klassische Ausstellungseröffnungen. Es ist schwer zu sagen, was es genau ist. Also

    Sophia: Ich finde das ein besonders schönes Beispiel. Erstens, weil ihr etwas innerhalb von einem Jahr aufgebaut habt, was ihr so in Berlin nie geschafft hättet, glaube ich, von der Reichweite her und vom Standing in der Stadt und das zweite, was ich sehr interessant finde, ist die Frage ‚Was ist Provinz‘? Was ist der Standort? Und ich glaube, das ist auch eine weitere Chance zu dieser Digitalisierung, dass Dinge an gewissen Standorten gleichwertig möglich sind, wie sie auch an anderen Standorten wären, weil die digitale Erreichbarkeit da ist.

    Daniel: In Kandel erreicht man die Leute, wenn dann über Facebook oder über das Amtsblatt. Es läuft recht wenig über digitale Kanäle in Kandel. Unser Konzept zielt schon sehr auf das kleinstädtische ab, aber es kommen jetzt auch Leute aus Karlsruhe öfters.

    Sophie: Danke! So das Fazit.

    Ich hatte eingangs darüber gesprochen, dass vor 20 Jahren die bestdotierten Unternehmen Industriekonglomerat waren und Energiekonzerne und Banken. Parallel dazu hat man in der Kunst Superstars gesehen wie Jeff Coons, Damian Hurst oder Olafur Eliasson. Wenn ich jetzt überlege, was das eigentlich für uns heute heißt, habe ich eine steile These. Ich hoffe, dass ich recht habe, dass das Zeitalter dieser Multikonzerne vorbei ist und Netzwerke an ihre Stelle treten werden. Kuration ist das Stichwort in meinen Augen für die Zukunft, weil es viel zu viel Content gibt und man muss diese Aufmerksamkeit kanalisieren. Während es früher darauf ankam, Dinge herzustellen und zum bestmöglichen hohen Preis zu verkaufen, geht es, in meinen Augen, im aktuellen Zeitalter der Unknappheit, eher darum, dass Künstlerinnen Eigentum an den Märkten selbst haben, dass wir selbst uns Strukturen schaffen, wo wir selber die Marktplätze besitzen. Das also wäre meiner Meinung nach, eine sehr wünschenswerte Zukunft. Ich wünsche mir, dass die Netzwerke mehr Teilhabe ermöglichen und im Gegenzug auch mehr Verantwortung an uns hat. Wir brauchen eine Teilhabe, aber wir müssen auch mehr Verantwortung für unsere Sichtbarkeit und Selbstdarstellung übernehmen. Während wir früher so eine Art Ein-Mann-Zirkus waren, Direktor und Dompteur und Jongleur und Seiltänzer und Zauberer und Löwe und Esel und Putzkolonne, kommt jetzt noch der Showmaster hinzu, und das gemeinsam mit anderen. Das ist für mich so der Schlüssel für die Zukunft.

    Die Frage am Anfang „Wie heißt du, was machst du? Kann man davon leben?“ sollte man eigentlich umformulieren in „Wie heißt du, was machst du? Und erzähle mir von deinen Mitstreitern!“

    Hannah Cooke: Am Anfang waren doch diese hohen Prozente an Frauen. Mich beschäftigt es und ich frage mich, woran liegt das? Könnte es vielleicht damit zusammenhängen, dass sonst in den klassisch konservativen Galerien, die Künstler und Künstlerinnen vertreten, prozentual mehr Männer vertreten sind und dass deswegen die weibliche Käuferschaft, damit nicht befriedigt wird und jetzt quasi die Chance hat über Online-Verkäufe direkt bei den Künstlerinnen oder eben bei beispielsweise Office Impart kauft? Die sind ja alle viel diverser aufgestellt oder achten vielmehr auf Gleichberechtigung. Deswegen dachte ich, ist das ein Punkt, dass jetzt die weibliche Kaufkraft, die es ja definitiv gibt und die immer stärker wird, jetzt das richtige Format für sich gefunden hat. Nur eine Vermutung, dass sie im klassischen Galerienwesen nicht befriedigt wurden.

    Sophia: Das kann gut sein. Ich find diese Frage auch sehr interessant. Die Frage ist auch, wie repräsentativ diese Studie ist, denn es sind nur 380 Teilnehmer. Das müsste man noch mal unter diesem Aspekt genauer untersuchen, aber das stimmt natürlich. Es gab auch Studien, z.B. beim Gallery Week Berlin, wo jede Galerie das heißeste Pferd im Stall ausstellt, was dann 75 % weiße Männer sind. Online hast du eine Such- Matrix, wo du entsprechend suchen kannst. Und wenn man sich selbst kauft, dann will vielleicht auch die weibliche Käuferschaft auch weibliche Künstler haben.

    Regina: Noch einmal zu dieser Studie oder Umfrage. Weißt du wer die 380 Personen waren? Waren die nur aus dem Netzwerk von Office Impart?

    Sophia: Nein. Die haben das ein bisschen breiter aufgestellt und ich weiß nur, dass sie sehr darauf geachtet haben, dass Leute unterschiedlichen Alters teilnehmen, dass Männer und Frauen ausgewogen sind, mit 48 % auf beiden Seiten und 4 % divers. Ihnen war auch wichtig, dass die Leute unterschiedliche Sammlerprofile haben, also wer einer Konkrete Kunst sammelt und der andere irgendwie nur Internet-Kunst. Die haben darauf Wert gelegt, dass es möglichst divers aufgestellt ist, aber genaueres kann ich dir zu der Studie nicht sagen.

    Gast: Was mich wundert bei der Studie gewundert hat bei der Studie, dass die digitale Kunst da nicht so eine Rolle gespielt hat.

    Sophia: Jam das war auch das erste Jahr der Pandemie. Das habe ich vergessen zu erwähnen, es gibt eine Folgestudie, und zwar nur über NFTS, also schaut euch gerne diesen Link an von Art Tech Report, weil der aktuelle Art Tech Report geht über NFTs.

    Ich habe noch eine andere Sache vergessen in Bezug auf NFTs. Wir sprechen immer über Werke, die verkauft werden und bei NFTs auch zum Beispiel ganz interessante Modelle sind, die eigentlich eine zusätzliche Einkommensquelle für Künstler sind, nicht nur ein Werk. Zum Beispiel kenne ich jemanden, der seine Skizzen verkauft, immer 10 am Stück, also zehn in der Tüte und wenn man Glück hat, dann hat man eine Skizze zu einem künftigen Werk, was er dann noch schaffen wird. Oder, dass man so Collectibles draus macht, dass man sich damit eine Fanbase baut: wenn du auf jeder meiner Ausstellungen warst, dann gibt es z.B. einen NFT und es gibt einen QR-Code in der Ausstellung. Und dann kann man Punkte sammeln und der 10 Kaffee ist umsonst, z.B. Es gibt auch andere Modelle jenseits dieses Werkbegriffs. Das finde ich in diesem NFT-Bereich besonders interessant für uns Künstler.

    Norina: Vielen Dank für deinen Vortrag. Du sprichst, glaube ich, vielen hier aus der Seele, wenn du sagst: Netzwerk ist die Zukunft oder, dass eine kuratorische Auswahl auch eine Chance darbietet in der Flut an Bildern oder Werken oder Eindrücken, die man täglich begegnet. Was ich mich nur frage ist, wie könnte man es dann schaffen, die Wirtschaft so zu schulen, dass das die Kuration einen Wert hat? Was wir z.B. erleben als ato-Netzwerk oder Plattform ist, dass wir ganz oft gespiegelt bekommen, wenn es um Finanzierungsmöglichkeiten geht oder Investments, „Ah nee das das würden wir jetzt nur mit vier Millionen fördern, wenn ihr Ebay-art seid oder wenn ihr eine Flut schafft, wo jede Person was finden kann. Das widerspricht leider einer kuratorischen Arbeit. Oder glaubst du, das kann finanziert werden?

    Sophia: Ich finde das eine spannende Frage. Lass uns das doch auf dem Panel diskutieren.

    Mitschnitt: ato

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